Im September 2026 habe ich zum dritten Mal an der jährlichen Luhmann Conference teilgenommen.

Das diesjährige Thema waren Sinn und Bedeutung in der Systemtheorie von Niklas Luhmann.
Ich habe mich seit dem 16. Lebensjahr immer wieder mit Carl Friedrich von Weizsäcker und der philosophischen Interpretation der Quantentheorie befasst. Werner Heisenberg begründete die Quantenphysik mit seiner Arbeit zur Matrizenmechanik 1925. Er war der Meinung, dass die philosophischen Konsequenzen der Quantentheorie (QT) die Welt mehr verändern werden als die naturwissenschaftlich-technischen. Zwar ist die QT für nahezu alle technologischen Errungenschaften grundlegend, seien es Halbleiter und Quantencomputer oder Reisen zum Mond und Künstliche Intelligenz.

Aber über das Verständnis der QT wird heute fast genauso gestritten wie vor 100 Jahren. Für manche blieb sie völlig unverständlich (Albert Einstein, Richard Feynman), für andere war die heute durch viele Experimente belegte Kopenhagener Deutung der QT schon damals der einzige Ausweg; zu ihnen zählten Niels Bohr, Werner Heisenberg und Carl Friedrich von Weizsäcker, der sie versuchte weiterzuentwickeln, aus Ur-Alternativen von unten zu rekonstruieren. Auch Luhmanns Systemtheorie beruft sich auf einen einfachen Unterschied und den Logiker und Mathematiker George Spencer Brown (Laws of Form, 1969).

Für beide Theorien gilt: Es gibt kein Wissen unabhängig vom Beobachter. Ich hatte dazu ein Konferenz-Paper eingereicht (Meaning and Semantics in Quantum Theory Compared to Systems Theory and Some Conclusions) und auch einen Vortrag gehalten. Am letzten Konferenztag wurde ich als Nichtakademiker und für mich völlig überraschend mit dem Best Paper Award ausgezeichnet.

Ich habe mich selten so sehr über etwas gefreut in den letzten Jahren.
Ein älterer Artikel von mir hierzu Süddeutsche Zeitung, 14.12.2000